Im Rentnerparadies

 



Seit gut einem Monat ist Paul nun in seinem neuen Heim. 

Wöchentlich wurde ich von seinem neuen Frauchen, Frau Steinmetz von der Tierhilfe Lahn-Dill e.V., auf dem Laufenden gehalten. Aber eine Email lässt mich nicht Pauls weiße Barthaare spüren, und so war ich sehr angetan, als Frau Steinmetz mich einlud, Paul zu besuchen.
 

So kam der Tag, an dem ich Paul in Echtzeit knuddeln sollte. Einige Tage vorher hatte meine Nachbarin am Ende der Straße freundlicherweise eine ganze Kiste Katzenfutter für Paul gesponsert, da ihre Katze leider plötzlich verstorben war. Ich besorgte noch mehr von dem Zeug, denn „Essen macht glücklich“ und ich wusste ja, dass die Tierhilfe nicht nur Paul zu versorgen hat. Außerdem war da diese entzückend weiche, mit Katzenpfötchen bedruckte Decke, in der Paul –wie ich mir im Geiste vorstellte- in seinem Karton auf der Anrichte seine Heldenträume in Zukunft verwirklichen sollte. Die musste natürlich auch noch mit ins Weihnachtspaket.  

So fuhr ich los, mit Navi falsch gelotst, mit Frau Steinmetz Anweisungen und einer halben Stunde Verspätung gefunden, um den schlafenden „Rentner“ in seinem Karton vorzufinden. Da Paul ja fast taub ist, hielt ich ihm meine Hand ans Schnäuzchen und knuddelte den Schmusebär, bis er kräftig schnurrte.  

Die Räumlichkeiten, ausgestattet mit allerhand Kletter- Kratz- Tunnel- und-was-weiß-ich-was für Wohlfühlutensilien für Katzen ließen mich ahnen, dass es sich hier um einen Ort handelte, von dem ein 18-jähriger Kater wahrscheinlich träumt. Einsamkeit ausgeschlossen, denn einige andere Katzen lungerten noch herum und die Neugierigen strichen nach einiger Zeit um meine Beine.  

Paul hatte sich die Anrichte in der Küche auserkoren, sehr nah am Futter und sehr nah am Wasserhahn. Echt clever, ich hätte es an seiner Stelle genau so gemacht!  

Es stellte sich heraus, dass Paul mit Abstand die älteste Knolle im Rentnerparadies war. Er batschte in seiner Milch herum und schlief nach einer Weile knuddeln mit mir einfach auf der Anrichte ein.  

Alle Katzen waren so liebenswert und ich konnte mir keinen Grund vorstellen, dass man irgendeines dieser Tiere weggeben könnte, ohne –wie Friedel- ganz plötzlich und ohne Vorwarnung einfach verstorben zu sein.  

Daher kann ich nur einen wahrlich guten Rat weitergeben: 

Man überlege sich sehr sehr gut, sich eine Katze zuzulegen, denn sie wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Lebenserwartung eines Hamsters überschreiten! 

Stellt euch vor, die lebt unverschämterweise und bei bester Gesundheit so lang wie Paul und nicht nur über Weihnachten. Und die will doch glatt satte zwei Jahrzehnte bespaßt, geknuddelt, gefüttert und betierarztet werden. Die überlebt eure Kinder, zumindest das Kindheitsalter! Wenn die dereinst 5-jährigen Kids, die doch so gerne eine Schmusekatze wollten, in die Disco gehen, ist Minzi immer noch da und steht in vollem Saft!  

Und wenn euch das jetzt nachdenklich stimmt, und ihr wahrlich einen Gefährten wollt, so schaut mal bei der Tierhilfe vorbei. Andernfalls wird eine Spende dort gewiss weiterhelfen und lieber ein Stofftier für die Fünfjährigen.  

In diesem Sinne: 

Frohe Weihnacht!

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