Wie eine Träne...
... im Indischen Ozean.

Sri Lanka war dereinst fast so was wie „Heimat“, will heißen: Das Gefühl, was ein Mensch hat, wenn er nach Hause kommt. Zum ersten Mal in unserem Leben hatten wir dort dieses herrliche Gefühl und dort wollten wir bleiben, für immer und ewig. 

Alles erschien uns anders dort, viel wärmer, viel freundlicher, viel einladender als im kalten Deutschland mit kaltem Klima und kalten Menschen.  

Als wir zum dritten Mal unseren „alten Freund“ Siri umarmten, der uns am Flughafen abholte und uns ins bekannte Negombo fuhr, wussten wir, dass wir uns irgendwas einfallen lassen mussten, um einfach hier zu bleiben, in diesem herrlichen Land.  

Siri war Edelsteinhändler und ich weiß nicht wie oft wir in seinem Laden saßen oder mit ihm über Land fuhren, um etwas über diese edlen Steine zu erfahren. Abends saßen wir mit unseren Kumpels, allesamt einheimische und europäische Geschäftsleute, in den Kneipen oder Restaurants und besoffen uns mit dem einheimischen Getränk Arak, welches unter warmem Sternenhimmel unglaublich glücklich machte.  

Wir erzählten Siri unsere Träume und er schlug uns vor, doch hier vor Ort ein Hotel zu bauen, nicht groß aber genug für uns. Da man ohne einheimischen Partner damals keine Geschäfte in diesem Land tätigen konnte, so erschien uns Siri genau der Richtige. Er willigte zögernd ein und wir fanden auch ein sehr schönes Grundstück direkt am Meer, wo wir so was „Alternatives“ bauen wollten.  

Also kauften wir das mit riesigen Kokosnusspalmen bestandene Grundstück, gingen zum dort ansässigen Anwalt und brachten alles unter Dach und Fach. 

Unser Urlaub neigte sich dem Ende, und Siri versicherte uns, dass er –nachdem wir die Baupläne eingereicht hätten- sofort und unverzüglich mit dem Bau beginnen würde. Was er auch tatsächlich tat.  

Nun gab es damals noch keine Handys und kein Internet, so dass wir uns lange Briefe schrieben. Siri unterrichtete uns über den Baufortgang und wir träumten zu Hause, gingen fleißig arbeiten und schafften die Kohle ran, die unser Anteil am Hotel kosten sollte.  

Aber das war es wert, denn sehr bald schon sah ich uns als Chefs eines renommierten Hotels die Gäste begrüßen. Glücklich würden sie mich beim Abschied umarmen und versprechen, im nächsten Jahr wieder zu kommen … ja, sooo schön sei es bei uns gewesen, fast wie im Traum.  

Einige Zeit später waren einige Gebäude bereits errichtet und mein Göttergatte flog nach Sri Lanka, um die Kohle persönlich zu überbringen und sich über den Fortgang der baulichen Tätigkeiten zu überzeugen. Vier Tage war er fort von mir, ich ging arbeiten und verbrachte diese mir schier endlos erscheinende Zeit ohne meinen geliebten Mann zwischen Bangen und Träumen.  

Ich holte ihn vom Flughafen ab, und er erzählte mir im Zug nach Gießen, wie die Leute dort malochten, um unser Hotel fertig zu stellen. Im Gepäck hatte er Seide, Edelsteine und Berichte von einer traumhaften Zukunft. Besser hätte es nicht kommen können. Ich war der glücklichste Mensch auf Erden.   

Ich malte mir bereits aus, wie ich auf den Tisch meines derzeitigen Chefs scheißen würde, frei würde ich sein und selber Chef. Ich flog in emotionalen Höhen, fast dem Himmel nahe, als in Sri Lanka der Bürgerkrieg ausbrach. Wir hörten es in den Nachrichten. Hinzu gesellten sich widerliche Wetterverhältnisse.  

Siri schrieb, dass das Meer bereits ein Gebäude geholt hätte. Mein Mann war sauer und ich lachte mich halb tot angesichts des Satzes im Brief: …“unfortunately the sea has taken a room….“ haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahaaaaaaaaaaaahaaaaaaaaaaaa.
 

Lange Rede, kurzer Sinn: 

Durch die Kriegswirren verloren wir unseren Traum vom Hotel in Sri Lanka und dreißigtausend Mark, was natürlich für uns sehr viel Geld war.  

Jahre später erfuhren wir, dass Siri wohl das Grundstück verkauft hatte.  

Wir haben unser Hotel nie gesehen und wissen bis heute nicht, ob es fertig gestellt wurde.  

Alle unsere europäischen Freunde in Sri Lanka haben damals ihre Geschäfte verloren, manche hatten erheblich höhere Summen investiert. Alles, was sie in jahrelanger Arbeit aufgebaut hatten, war einfach weg, zerstört durch einen sinnlosen Krieg.  

Aber…  

es war eine herrliche Zeit für uns alle. Voller Ideen und Träume.  

Fast greifbar war es, DAS PARADIES…

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