Bäume

Bäume
ein Bild

 

…haben mich schon immer fasziniert. Ich sprach zu ihnen schon als Kind, wenn ich mich allein und verlassen fühlte. Ein Wesen mit so vielen Lebensjahren muss einfach entsprechende Weisheit besitzen.

 

Ich hatte nicht so Unrecht. Eine ordentliche Eiche beherbergt etwa 400 Arten von Lebewesen in ihrer Krone und hätte wohl einiges zu erzählen.

 

In meinem Garten, der kahl war wie eine Glatze, habe ich auch Bäume gepflanzt. Alle meine Bäume haben eine Geschichte und ich fühle mich mit ihnen auf eine besondere Art verbunden.

 

Fridolin, die Birke, bekam ich von einer Nachbarin in einem Dorf, wo ich vor Jahren wohnte. Fridolin war winzig, gerade einmal ein Jahr alt, er wuchs auf meinem Balkon damals im Topf und überragt heute mein Gewächshaus. Die Hornissen haben seine Krone gekappt und er hat sich eine Neue gebastelt. Ein echter Kämpfer.

 

Willi, der Wallnussbaum, ist ein Vermächtnis meines Ex-Chefs und hat eine weite Reise hinter sich. Er wurde 5mal umgepflanzt, bevor er endgültig in meinem Garten bleiben konnte. Ich weiß nicht, wie viele Jahre ich ihm Fotos von Wallnüssen oder echte Wallnüsse gezeigt habe bevor er – dieses Jahr erst und mit ca. 30 Lebensjahren – endlich die ersten eigenen Wallnüsse erzeugte. Ich war betrunken vor Glück.

 

Und da ist Karl, den ich einst gerettet habe. Meine damalige Firma brauchte gepflasterten Hof für wachsende Geschäfte und Karl, gerade gereift und in voller Blüte, wurde vom Junior herb aus seiner Existenz herausgerissen. Ich kam Montagmorgen in die Firma und Karl war fast tot. Also schnappte ich mir diesen herausgerissenen Baum, rief eine Baumschule an, zwecks Weisheiten für seine Rettung. Ich pflanzte ihn in einen riesigen Bottich, da mein damaliger Vermieter mir nicht erlaubte, ihn in wahre Freiheit zu pflanzen. Ich kappte zu zwei Drittel seine Krone. Er verlor alles Laub und alle Blüten. Ich goss ihn trotzdem und redete mit ihm jeden Tag. „Hey, Karl, du schaffst das!“ Im August sagte mein Mann, ich solle Karl wegschmeißen, da kein Grün mehr an ihm zu sehen war. Und dann, plötzlich, waren da am Stamm zaghafte Blätter. Zartgrün leuchtete das Leben. Heute ist Karl ein kräftiger Kirschbaum, der den Staren mächtig Freude macht.

 

Robert ist hier geboren, winzig war er, gerade mal zwei Blätter. Er ist die Hoffung auf Alter und Weisheit. Ich glaube kaum, dass ich noch am Fuße seines Stammes Buße tun werde, denn er wird mich bei Weitem überleben. Er war eine Zwillingseiche und sein Bruder ist durch eine Wühlmausattacke gestorben. Er überragt mich bereits und wird sein Haupt ausbreiten, wenn ich schon lange nicht mehr bin.

 

Alle meine Bäume haben Namen, ich begrüße sie jedes Jahr und verabschiede mich von ihnen bei jedem Winterschlaf. Wie groß sind sie geworden vor meinen Augen, und kaum habe ich es gemerkt.

 

Ich denke über Zeit nach…

 

 

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